Der Countdown läuft

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On the way zum Jeganer und warum eigentlich überhaupt dieser Blogbeitrag?

Auf die vielen Fragen, die nach dem letzten Artikel aufkamen, ein bissl detaillierter antwortend:

Die Grundidee des „jeganen“ Ernährungskonzepts ist entstanden, als meine mich von Kindesbeinen an auf der Jagd begleitende Tochter Mia und ihr – natürlich ebenfalls jagender – Freund Christoph Anfang August d.J. für sich die Entscheidung trafen (und von heut` auf morgen damit begannen), keine Produkte aus Tierhaltung mehr, sondern „nur“ noch „unser“ Wild zu essen. Ohne dies vorher im Familienkreis auch nur irgendwie anzukündigen, by the way.

Nach etwa einem Monat versprach ich dann, sowohl von ihrer Argumentation, als auch ihrer Konsequenz sehr beeindruckt (und auch unter dem Einfluss einiger Glasln Wein), ihnen zu folgen, sollten sie`s tatsächlich länger als 3 Monate schaffen. Was ich, ehrlich zugegeben, damals weder annahm, noch erhoffte.
Foto von Martin Rohla mit seiner Tochter im Arm, beide in Jagdkleidung
Martin Rohla und seine Tochter Mia vor 10 Jahren
Manchmal kommt es anders, als man denkt
Viel Beschäftigung mit dem Thema „Tierhaltung“ und viele Gespräche mit ebenso besonders kompetenten wie unaufgeregten Freunden wie Michael Hartl vertieften jedoch die Überzeugung – wenn man schon die Fahne der Nachhaltigkeit so heftig schwingt – einen Schritt in eine ebenso richtige wie wichtige Richtung tun zu können.

Mehr und mehr erhoffte ich sogar, dass die beiden konsequent bleiben. Sie blieben.

Der gemeinschaftlich als Umstiegstag festgelegte Montag, der 16. November 2015, nähert sich mit furchteinflößenden Riesenschritten. Und ebenso vermehren sich die Zeit, die ich mich gedanklich mit einem nicht unwesentlichen neuen Teil meines zukünftigen Lebens beschäftige und auch die Anzahl der Unterhaltungen, die ich über meine Entscheidung führe, rasch.

Vor allem gibt es kaum eine Mahlzeit mehr, bei der ich mir nicht bewusst überlege, was ich gerade zu mir nehme. Für einen Veganer sicher eine ganz übliche Verhaltensweise, für einen Allesfresser wie mich allerdings etwas ganz Neues.

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Was ich nicht mehr essen werde
Ich wollte eigentlich empörte Aufschreie vermeiden und hier nicht davon reden,

mit wieviel Wehmut ich gestern Abend die wahrscheinlich letzte Gänseleber meines Lebens gegessen und genossen habe.
oder dass ich vorgestern mit meinem Sohn bei Mäkimäki war und mir einen Big Mac, crispy chickenwings, gebackenen Emmentaler und diverse fettige Saucen einverleibt habe. Gut war`s.
dass ich jetzt grad am Meer bin und es erst 2 Stunden her ist, dass ich einen herrlichen Matjeshering mit Butterpumpernickel vertilgt habe, auch zu Abend essen wir dann in einem feinen Fischrestaurant.
dass wir am Donnerstag bei gut und gern kochenden Freunden zum Essen eingeladen sind, er ist berühmt für sein langsam geschmortes Roastbeef mit Krautfleckerln.
Und überhaupt machen wir ja in/mit unserer Stadtflucht Bergmühle am nächsten weekend unser alljährliches Bioganslessen mit 35 saftigen Biogansln vom Herrn Reisetbauer aus Thomasberg.

Warum gehe ich hier so penetrant ins Detail?
Weil ich am besten hier und jetzt genau darüber rede, wie es sich anfühlt, in einer letzten Frist den Speisen langsam Lebewohl zu sagen, die einen sein ganzes Leben begleitet und oft wunderschöne genussvolle Stunden bereitet haben. Und dann in Folge auch ganz ungeschminkt darüber rede, wie schwer (oder sogar leicht?) es ist, seine anerzogenen und angewöhnten Verhaltensweisen zu ändern.

Denn die Publizität dieses Forums und auch sonstiger sich dadurch mit dem Thema auseinandersetzenden Plattformen könnte ja unter Umständen bewirken, dass sich andre überlegen, dem Beispiel zu folgen.

Dann brächte es aber nix, hier vorzugaukeln, der Umstieg auf ein (großteil)veganes Leben sei leicht und ohne Verzicht möglich. Ja ich bin recht sicher, es bedeutet gehörigen Verzicht. Aber ich glaube halt auch, dass es Menschen mit Charakter möglich ist. Und wer will schon ein Mensch ohne Charakter sein.

Und das ist jetzt eine plötzlich von selbst hochgeschwappte Aussage, die michselbsterschreckenderweise gut zu der auch in den letzten Tagen bei vielen Kommentaren zutagegetretenen höchst erstaunlichen Präpotenz mancher Veganer passt. Weil sie automatisch implizieren, dass nicht vegan lebende Menschen keinen Charakter haben, man selbst aber schon, also ein besserer Mensch sei.

Fange ich jetzt etwa auch schon damit an? Ohne überhaupt einer zu sein?
Oder sind Veganer tatsächlich die besseren Menschen?

Hat unter den letzten Artikel ein Kommentator nur zufälligerweise „Veganazi“ geschrieben?